Vergewaltigung / Sexuelle Nötigung


Was ist das?
Vergewaltigung ist die extremste Form sexueller Gewalt, bei der Sexualität als Mittel zur Machtdemonstration, Demütigung und Unterwerfung von Frauen und Mädchen eingesetzt wird.
Als Vergewaltigung verstehen wir jegliches Eindringen in den Körper gegen den Willen einer Person, unabhängig davon, ob die Penetration vaginal, anal oder oral, mit dem Penis, dem Finger oder mit einem Gegenstand erfolgt.

Eine Vergewaltigung / sexuelle Nötigung bedeutet für jede Frau und für jedes Mädchen eine massive Verletzung ihrer Persönlichkeit und körperlichen Unversehrtheit. Ihr wird der Wille einer anderen Person mit Gewalt aufgezwungen - und dies in dem äußerst sensiblen Bereich ihrer sexuellen Selbstbestimmung.
Die meisten Mädchen und Frauen empfinden während einer Vergewaltigung Ekel, erleiden massive Ängste - häufig akute Todesängste - und erleben in dieser Situation einen völligen Kontrollverlust über ihren Körper und ihren Willen. Wenn der Täter bekannt oder gut vertraut ist, bedeutet die Vergewaltigung darüber hinaus einen massiven Vertrauensmissbrauch.
In dieser traumatischen Situation gibt es kein „richtiges“ oder „typisches“ Verhalten, sondern intuitive Reaktionen, die zum Ziel haben, die Situation zu überleben. Manche Frauen sind starr vor Angst und lassen die Vergewaltigung scheinbar teilnahmslos über sich ergehen. Einige wehren sich körperlich oder verbal. Andere verhalten sich scheinbar entgegenkommend, um so die Gefahr für ihr Leben zu verringern.
Jede Verhaltensweise stellt einen Schutzmechanismus dar, der in einer extrem bedrohlichen Situation entwickelt wird, um das eigene Überleben zu sichern.

Mythen und Tatsachen
Das öffentliche Bewusstsein im Hinblick auf Vergewaltigungen ist auch heute noch mit vielen Vorurteilen und Fehleinschätzungen behaftet. Das führt nicht selten zu Tabuisierungen und Bagatellisierungen sowie zu Vorwürfen und Schuldzuweisungen an die betroffenen Frauen durch ihr soziales Umfeld und/ oder Behörden. Entsprechende gesellschaftliche Sichtweisen hindern Frauen vielfach daran, über eine Vergewaltigung zu sprechen und diese anzuzeigen. Auf der anderen Seite werden durch diese Mythen und Vorurteile Täter ermutigt.

So hält sich hartnäckig der Mythos, nur junge und attraktive Frauen oder Frauen mit körperbetonter Kleidung würden vergewaltigt. Tatsache ist, dass jedes Mädchen und jede Frau unabhängig von ihrem Alter, ihrem Aussehen, ihrer Kleidung, ihrer Nationalität oder Religion von Vergewaltigung betroffen sein kann.
Auch dass Frauen vergewaltigt werden wollen, weil sie sich ja sonst dagegen gewehrt hätten, stimmt nicht. Tatsache ist, dass eine Vergewaltigung immer gegen den Willen einer Frau erfolgt. Jede Frau reagiert in einer solchen Situation anders, einige wehren sich nicht, weil sie unter Schock stehen oder ihr Leben retten wollen.