Stalking


Was ist Stalking?

"Stalking" (engl.: anschleichen, anpirschen) steht heute für das fortgesetzte Nachstellen, Verfolgen und Belästigen eines anderen Menschen. Öffentlich gemacht wurde dieses Phänomen zunächst durch Prominente, die durch Fans belästigt wurden; heute ist bekannt, dass diese Form von Psychoterror in der Bevölkerung weit verbreitet ist und prinzipiell alle Menschen davon betroffen werden können.

Meinst kennt das Opfer den Täter und Frauen sind deutlich häufiger betroffen als Männer. In der Mehrzahl handelt es sich bei den Tätern um Ex-Partner, die eine Trennung nicht akzeptieren und die ehemalige Lebensgefährtin aus Macht- oder Rachgefühlen schikanieren. Manche tun dies, um sie unter Druck in die Beziehung zurückzuzwingen. Nur in wenigen Fällen liegt bei den Stalkern eine psychische Erkrankung vor. Sie wissen, was sie tun und tragen die volle Verantwortung für ihr Handeln.

Stalking hat nichts mit Liebe oder Liebeskummer zu tun.

Vielmehr geht es dem Stalker überwiegend darum, Macht auszuüben und sich beim Opfer immer wieder ins Bewusstsein zu rufen, koste es, was es wolle.

Beispiele für Stalking:

  • SMS-Botschaften und E-Mails zu jeder Tages- und Nachtzeit
  • Telefonanrufe sowohl privat, als auch dienstlich
  • Beleidigungen, üble Nachrede, Verleumdung
  • Auflauern vor der Wohnung, am Arbeitsplatz, an Orten, die regelmäßig aufgesucht werden
  • Hinterherfahren, ständige Präsenz
  • Briefe, unerwünschte Geschenke
  • Aufgabe von Bestellungen an Versandhäuser
  • Sachbeschädigung, z.B. aufgeschlitzte Autoreifen, zerkratzter Lack, besprühte Eingangstür
  • Wohnungseinbrüche
  • Diebstähle
  • Körperverletzungen

Die Gefahrensitutationen sind bei Stalking sehr unterschiedlich und nicht immer einschätzbar. Allerdings gibt es Risikofaktoren, welceh die Gefahr der Gewaltanwendung erhöhen, z.B. wenn der Stalker der Ex-Partner ist und es in der früheren Beziehung bereits zu psychischer oder auch körperlicher Gewalt gekommen ist. Es ist daher sinnvoll, die Situation genau einzuschätzen, damit angemessene und ausreichende Schutzmaßnahmen getroffen werden können.

Scheuen Sie sich nicht Kontakt zur Polizei oder zum Frauennotruf aufzunehmen.

Folgen von Stalking

Da die Verfolgung durch einen Stalker Wochen, Monate oder in manchen Fällen Jahre andauert, kann dies bei den Opfern zu erheblichen seelischen, körperlichen und sozialen Belastungen führen. Betroffene leben häufig in ständiger Erwartung neuer Attacken und fühlen sich nirgends mehr sicher.

Viele Frauen leiden in dieser Zeit unter starken Stressreaktionen wie Ängsten, Panik-Attacken, Schlaf- oder Konzentrationsstörungen und Magen-Darm-Problemen. Bei längerer Dauer der Bedrohung können Depressionen, seltener auch Suizidgedanken auftreten.

Viele schränken mehr und mehr ihren Bewegungsfreiraum ein, vermeiden zunehmend soziale Kontakte und verlieren an Lebensfreude. Stalking kann dazu führen, dass Betroffene den Arbeitsplatz verlieren oder den Wohnort wechseln.

Sprechen Sie mit Personen, denen Sie vertrauen und bleiben Sie mit dieser Situation nicht allen.

 

Was können Sie tun?


Stalking ist kein einmaliges Geschehen, sondern ein dynamischer Prozess, der nicht genau vorhersehbar ist und manchmal über einen langen Zeitraum andauert. Es gibt kein Patentrezeptrezept gegen Stalking, da jeder Fall anders gelagert ist. Häufig gibt es leider keine schnelle Lösung.

Die Reaktion der Betroffenen hat immer auch Auswirkungen auf die Aktionen des Belästigers, daher ist die Art der Gegenwehr gut zu überlegen. Scheuen Sie sich nicht, fachliche Beratung in Anspruch zu nehmen!

Erfahrungen zeigen, dass frühzeitiges, klares und konsequentes Handeln eher zur Beendigung der Belästigung führt.

In der Praxis haben sich folgende Verhaltensregeln bewährt:

  • Machen Sie dem Täter einmal und unmissverständlich deutlich, dass Sie keinerlei Kontakt zu ihm wollen (z.B. per Einschreiben mit Rückschein).
  • Ignorieren Sie ihn danach vollsständig. Jede weitere Reaktion lässt ihn hoffen und bestärkt ihn in seinen Handlungen. Erklärungen, Hilfeangeboten oder Ausspracheversuche Ihrerseits wertet der Stalker als Beweis für Ihr Interesse an seiner Person.
  • Öffentlichkeit kann schützen. Informieren Sie Ihre Familie, FreundInnen, NachbarInnen, KollegInnen, Vorgesetzte. Einige Stalker versuchen über das soziale Umfeld an Informationen zu gelangen oder über Dritte Kontakt aufzunehmen. Nicht selten werden auch Angehörige oder Freunde belästigt.
  • Dokumentieren Sie alles was der Täter tut, schickt oder mitteilt ("Stalking-Tagebuch"). Genaue Angaben mit Datum und Uhrzeit sind für die gerichtliche Beweisführung notwendig.
  • Informieren Sie sich über technische Sicherungsmöglichkeiten (Wohnungssicherheit, telefonische Fangschaltungen, Geheimnummer usw.).
  • Holen Sie sich bei einer Anwältin oder einem Anwalt Rat über rechtliche Maßnahmen.
  • Halten Sie engen Kontakt zur Polizei.
  • Prüfen Sie mit fachlicher Unterstützung, ob eine Schutzanordnung oder eine Anzeige in Ihrem Falle sinnvoll ist.
  • Nehmen Sie die Hilfe und Beratung des Frauennotrufs in Anspruch.