Sexueller Missbrauch


Was ist das?
Sexueller Missbrauch kann definiert werden als sexuelle Ausbeutung von abhängigen, entwicklungsmäßig gegenüber dem Täter unreifen Kindern und Jugendlichen durch Gewalt oder durch Ausnutzung der mangelnden Reife des Kindes oder familiärer (oder anderer) Abhängigkeitsverhältnisse. Sexueller Missbrauch ist jede sexuelle Handlung, die an oder vor Kindern oder Jugendlichen entweder gegen ihren Willen vorgenommen wird oder eine sexuelle Handlung, der Kinder/ Jugendliche aufgrund körperlicher, psychischer, kognitiver oder sprachlicher Unterlegenheit nicht willentlich zustimmen können.

Merkmale des sexuellen Missbrauchs sind die Ausnutzung eines bestehenden Vertrauensverhältnisses sowie einer Macht- und Autoritätsposition und die systematische Planung der Taten durch den Täter oder die Täterin. Motiv sind dabei nicht primär sexuelle Bedürfnisse sondern Bedürfnisse nach Macht und Unterwerfung durch die Missbrauchshandlungen: Sexueller Missbrauch ist keine gewalttätige Form von Sexualität, sondern eine sexuelle Form von Gewalt, ihr liegt immer ein Machtmissbrauch zugrunde.

Sexueller Missbrauch liegt z.B. dann vor, wenn eine erwachsene oder deutlich ältere Person Mädchen und Jungen

  • nötigt, sexuelle Handlungen an sich selbst oder dem Erwachsenen vorzunehmen,
  • auffordert, sich nackt zu zeigen,
  • pornografische Aufnahmen zeigt oder nötigt, bei solchen Aufnahmen mitzumachen,
  • seinen Penis am Körper eines Mädchens oder Jungen reibt,
  • zu analem, oralem oder vaginalem Geschlechtsverkehr zwingt.


Was ist typisch?
Die Täter sind etwa zu 90 % männlich. Der Missbrauch ist bewusst geplant, die Kinder und Jugendlichen werden langsam darauf „vorbereitet“. Die Handlungen des Täters sind oftmals zunächst in Spiel- oder Pflegehandlungen versteckt und werden im Grad der Gewalttätigkeit und Intensität allmählich gesteigert. Die Täter sind dem Kind oft (gut) bekannt (Väter, Stiefväter, Brüder, Lehrer, Erzieher, Pastoren usw.). Die Täter nutzen ihre Macht- und Autoritätsposition sowie bestehende Vertrauensverhältnisse aus. Den Kindern wird ein Schweigegebot auferlegt, z.B. indem ihnen gedroht wird, sie würden in ein Heim kommen oder dass die Offenlegung des Missbrauchs dazu führt, dass etwas Schlimmes geschieht.