Sexuelle Belästigung


Was ist sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz?

Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz beinhaltet nicht nur solche Handlungen, die ohnehin unter die „Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung“ des Strafgesetzbuches fallen, sondern ist auch gegeben, wenn „ein unerwünschtes, sexuell bestimmtes Verhalten bezweckt oder bewirkt, dass die Würde der betreffenden Person verletzt wird“ (Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz, AGG, § 3, Abs. 4).

Dazu gehören Aufforderungen zu sexuellen Handlungen, sexuell bestimmte körperliche Berührungen, Bemerkungen sexuellen Inhalts , das Zeigen und sichtbare Anbringen von durch Betroffene abgelehnte pornografischen Darstellungen, taxierende Blicke, unerwünschte Einladungen mit eindeutiger Absicht, Androhung beruflicher Nachteile bei sexueller Verweigerung, Versprechen beruflicher Vorteile bei sexuellem Entgegenkommen und Vergewaltigung.

Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz ist in der Regel eine gezielte und bewusste Handlung. Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz ist kein individuelles Problem einzelner Frauen – auch wenn sich betroffene Frauen damit häufig sehr alleine fühlen – sondern eine stark verbreitete und verdeckte Form der Diskriminierung von Frauen in der Arbeitswelt. Belästigungen sind oftmals keine Einzeltaten, sondern wiederholen sich meist mehrfach. Sie finden nicht nur in abgelegenen Räumen sondern ebenso am öffentlichen Arbeitsplatz, in Kantinen, Pausenräumen, in Treppenhäusern oder Fluren statt. Belästigung kann prinzipiell jede Frau treffen, ganz unabhängig von ihrem Aussehen, ihrem Verhalten, ihrem Alter, Familienstand oder ihrer beruflichen Situation. Tendenziell zeigt sich aber, dass besonders Frauen und Mädchen in der Ausbildung, in niedrigeren beruflichen Positionen, in ungesicherten Arbeitsverhältnissen, mit kurzer Betriebszugehörigkeit oder ohne festes Beziehungsgefüge innerhalb des Betriebes besonders gefährdet sind. Es werden also gezielt Opfer ausgesucht, die wenig Unterstützung haben, sich im Abhängigkeitsverhältnis befinden und die viel zu verlieren haben. Das bedeutet keinesfalls, dass nicht auch Frauen, die am Arbeitsplatz selbstbewusst auftreten, in gefestigten beruflichen Bezügen stehen, belästigt werden. Frauen, die zu direkten Konkurrentinnen von Männern werden, werden sexuell belästigt, um sie „in ihre Schranken zu verweisen“. Die Belästiger sind in der Regel normale Männer ohne besondere Eigenschaften.

 

Was können Sie tun?


Nehmen Sie sich ernst!

Eine erste Schwierigkeit besteht häufig im Erkennen , dass es sich bei dem Erlebten tatsächlich um eine sexuelle Belästigung handelt. Zunächst ist es deshalb wichtig, die eigenen Empfindungen ernst zu nehmen und sich zu verdeutlichen, dass jede Frau ein Recht auf einen Arbeitsplatz hat, an dem sie nicht belästigt wird.

Sie haben das Recht "Nein" zu sagen.

Von Vorteil ist es, die Belästigung unmittelbar und direkt beim ersten Vorfall energisch zurückzuweisen, z.B. mit lauten Entgegnungen – auch wenn die Belästigung im Flüsterton erfolgt. Mit lauten Entgegnungen kann Belästigungssituationen das „Vertrauliche“ und die Heimlichkeit genommen werden, und es besteht die Möglichkeit, dass andere Personen etwas von dem Vorfall mitbekommen. Ein offensives und aktives Vorgehen direkt und unmittelbar beim ersten Übergriff ist eindeutig von Vorteil. Den Belästiger zur Rede zu stellen und sich die Belästigungen zu verbitten, die Androhung einer Beschwerde oder eine tatsächliche Beschwerde, die Ankündigung, die Tat anderen zu erzählen, den Belästiger zu verklagen und auch die körperliche Gegenwehr sind gute Möglichkeiten einer ersten Reaktion.

Machen Sie sich Notizen

In jedem Fall sollte der Tathergang direkt nach der Tat schriftlich aufgezeichnet werden. Diese Aufzeichnungen können mit einer eidesstattlichen Erklärung bei einer Anwältin hinterlegt werden und für eine mögliche spätere offizielle Beschwerde verwendet werden. Auch schriftliche Reaktionen sind sinnvoll, vor allem dann, wenn die verbale Zurückweisung nicht gelingt bzw. vom Belästiger ignoriert wird. In einem solchen Brief sollte sachlich und detailliert – d.h. mit Angabe von Datum, Ort, Tathergang usw. – das Verhalten des Belästigers kritisiert und zurückgewiesen werden. Zudem sollten Konsequenzen für den Fall aufgezeigt werden, dass der Belästiger die Belästigungen nicht einstellt.

Suchen Sie UnterstützerInnen

Entlastend kann ein Gespräch mit einer Vertrauensperson sein, sowie Gespräche mit KollegInnen, bei denen sich häufig herausstellt, dass ein Belästiger bereits schon mehrere Frauen im Betrieb bedrängt hat und belästigt. Ein gemeinsames Vorgehen gegen den Täter kann sehr wirkungsvoll sein. Sinnvoll ist zudem eine gezielte Suche nach ZeugInnen, die Belästigungssituationen genau beobachten.

Neben den Beraterinnen im Frauennotruf finden Sie professionelle Hilfe bei Frauenbeauftragten, Gewerkschaften, Rechtsanwältinnen, die sich mit der Problematik auskennen und über mögliche Maßnahmen der Gegenwehr informieren.

Broschürentipp:

Nicht mit mir! - Zum Handeln motiviert
Strategien gegen sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz
ver.di, Ausgabe 2007

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